Das Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie der Stadt Duisburg zeigt vom 2. Juni bis zum 27. Juni 2026 auf dem Bahnhofsvorplatz in Duisburg die Wanderausstellung des Zentrums deutsche Sportgeschichte e.V. „Zwischen Erfolg und Verfolgung. Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“.
Anhand skulpturaler Präsentationen würdigt die Wanderausstellung den bedeutenden Beitrag jüdischer Athletinnen und Athleten zur Entwicklung des modernen Sports in Deutschland. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurden sie jedoch im NS-Staat ausgegrenzt, entrechtet, zur Flucht gezwungen oder ermordet. Die Ausstellung wurde anlässlich der 2015 erstmals in Deutschland ausgetragenen European Maccabi Games in Berlin entwickelt und präsentiert. Seitdem ist sie in zahlreichen deutschen Städten gezeigt worden.
Ergänzt wird die Wanderausstellung durch die Geschichte der Duisburger Familie Burg, insbesondere der Brüder Arthur, Erich und Walter. Die Familie lebte von ca. 1908 bis zu ihrer Flucht nach Argentinien in den Jahren 1937/1939 in Hamborn. Die drei Brüder waren begeisterte Sportler. Zu ihren Paradedisziplinen zählten Kugelstoßen und Diskuswurf.
Die Ausstellung lädt dazu ein, mehr über die Leistungen jüdischer Athletinnen und Athleten bis 1933 und darüber hinaus zu erfahren sowie die Geschichte der Brüder Burg kennenzulernen, die den jüdischen Sport in Duisburg mitgeprägt haben.
Begleitend gibt es ein Programm mit Führungen und Diskussionsformaten. Im Fokus stehen neben der jüdischen Sportgeschichte auch aktuelle Fragen von Diskriminierung und Rassismus im Sport, insbesondere auch in Duisburg. Die Ausstellung ist vom 2. Juni bis zum 27. Juni 2026 auf dem Bahnhofsvorplatz in Duisburg zu sehen.
Das aktuelle Rahmenprogramm zur Wanderausstellung in Duisburg finden Sie hier:
Die Gebrüder Burg: Arthur, Erich und Walter
Sportliche und berufliche Karriere bis zum Einsetzen der nationalsozialistischen Verfolgung
Die Brüder Arthur, Erich und Walter Burg wurden zwischen 1910 und 1913 in Hamborn geboren. Ihr Vater, Isaak Burg, betrieb hier eine Schuhreparaturwerkstatt. Die Familie lebte in der Holtener Straße, nahe der Zeche Neumühl.
Die Brüder waren begeisterte Sportler. Sie gehörten zunächst dem Jüdischen Turn- und Sportverein (Itus) Duisburg (1927-1937) an. Später wechselten sie zur Sportgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in Hamborn (1934-1938). Zu ihren Paradedisziplinen zählten Kugelstoßen und Diskuswurf. Walter stellte am 30. Mai 1935 bei einem Sportfest in Köln mit 35,77 Metern einen „neuen jüdische[n] deutschen Diskusrekord“[1] auf.
Erich Burg begann 1930 nach seiner Reifeprüfung an der städtischen Oberrealschule in Duisburg-Hamborn ein Studium an der Universität in Frankfurt am Main, um später Sportlehrer zu werden. Unter dem Druck der nationalsozialistischen Studentenverbände brach er dieses Studium allerdings ab und begann im Oktober 1932 eine kaufmännische Lehre beim Kaufhaus Berger & Co. in Duisburg-Hamborn. Hier arbeitete er später als kaufmännischer Angestellter. Im Zuge der Arisierung des Kaufhauses verlor er 1936 seine Stelle und war gezwungen, den Lebensunterhalt für sich und seine Eltern als Wegebauarbeiter zu verdienen.
Sein Bruder Walter besuchte ebenfalls die Oberrealschule in Duisburg-Hamborn. Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete er als Verkäufer im Kaufhaus Gebrüder Alsberg, wurde aber wie sein Bruder 1936 im Zuge der Arisierung des Kaufhauses entlassen und war seitdem auf Aushilfsarbeiten angewiesen.
Zum beruflichen Werdegang von Arthur Burg ist nichts Weiteres bekannt. Nach längerer Krankheit verstarb er bereits am 11. Mai 1938 im Alter von nur 27 Jahren.
[1] Pfeiffer, Lorenz; Heinrich, Arthur (Hg.), Juden im Sport in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. Ein historisches Handbuch für Nordrhein-Westfalen, Göttingen 2019, S. 262.
Emigration nach Argentinien
Walter Burg entschloss sich bereits im Januar 1937 zur Emigration nach Argentinien. Er reihte sich damit in eine größere Zahl von Jüdinnen und Juden ein, die nach den Nürnberger Gesetzen und den Arisierungsmaßnahmen Duisburg verließen. Zwischen 1933 und 1937 halbierte sich in etwa die jüdische Bevölkerung der Stadt.
Auch Walters Vater Isaak Burg bekam mehr und mehr die Folgen von Verfolgungs- und Boykottmaßnahmen zu spüren. Im Oktober 1937 musste er sein Gewerbe aufgeben und zur Begleichung rückständiger Mieten seine Werkstattmaschinen verpfänden. Der Gläubiger verkaufte die Maschinen 1938, ohne dass Isaak Burg etwas vom Erlös erhielt.
Am 10. Juli 1939 trat auch Isaak Burg mit seiner Frau Rosa und dem Sohn Erich die Flucht nach Argentinien an. Vor der Auswanderung sah sich das Ehepaar Burg gezwungen, seine Wohnungseinrichtung im Wert von 2.500 Reichsmark weit unter Wert für lediglich 300 Reichsmark zu veräußern. Beim Einschiffen in Hamburg nahm die dortige Zollkontrolle dem Ehepaar noch zwei goldene Uhren und Ketten ab.
Das Leben im Exil
Walter Burg konnte im argentinischen Exil in den ersten Jahren nur das Allernötigste zum Lebensunterhalt verdienen; er arbeitete als Textilarbeiter und wohnte in den ersten Jahren in Basavilbaso, etwa 300 Kilometer nördlich von Buenos Aires.
Isaak und Rosa Burg lebten gemeinsam mit ihrem Sohn Erich in einem Haushalt in Buenos Aires. Isaak Burg konnte keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen, da er aufgrund von Sprachschwierigkeiten und seines hohen Alters dazu nicht in der Lage war. Sein Sohn Erich übernahm daher die Rolle des Familienversorgers. Von April 1941 bis April 1942 arbeitete er zunächst wie sein Bruder als Textilarbeiter, später als Büroangestellter.
Der Sohn von Erich Burg – Isaac Arturo Burg – lebt bis heute in Buenos Aires. In Duisburg, der ehemaligen Heimatstadt der Familie Burg, erinnert bislang nichts an diese engagierte Sportlerfamilie.
Quellen: Wiedergutmachungsakten von Isaak Burg, Erich Burg und Walter Burg
Isaac Arturo Burg erinnert sich an die Sportbegeisterung der Brüder Arthur, Erich und Walter Burg:
„Mein Vater [Erich], ebenso wie seine Brüder Walter und Arthur, waren in Deutschland sehr sportlich. Walter war vor allem in der Leichtathletik und insbesondere im Kugelstoßen sehr gut. Sowohl Arthur als auch mein Vater waren leidenschaftliche Fußballer und Turner, insbesondere an den Parallelbarren und am Reck. […] Aufgrund des Antisemitismus, der in Deutschland herrschte, mussten sie in einem Club trainieren, der nur für Juden war. Auch hier in Argentinien hat er weiterhin Sport gemacht. Walter nicht so sehr, denn er ist sehr jung gestorben, mit 47 Jahren. Als ich klein war, hat mein Vater uns, sowohl meine Schwester als auch mich, zu allen Leichtathletik-Veranstaltungen mitgenommen und hat immer betont, wie wichtig es ist, Sport zu treiben. Sogar im Erwachsenenalter hat er weiter Sport gemacht. Bevor er zur Arbeit ging, stand er eine halbe Stunde früher auf, um Übungen zu machen.“
Literatur
Pfeiffer, Lorenz; Heinrich, Arthur (Hg.), Juden im Sport in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. Ein historisches Handbuch für Nordrhein-Westfalen, Göttingen 2019.
Von Roden, Günter, Geschichte der Duisburger Juden. In Zusammenarbeit mit Rita Vogedes, mit Einzelbeiträgen von Yehoshua Amir u. a. (Duisburger Forschungen Bd. 34, Teil 1 + Teil 2), Duisburg 1986.
Stadt Duisburg, Der Oberbürgermeister, Dezernat für Familie, Bildung und Kultur, Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie c/o Kultur- und Stadthistorisches Museum (Hg.), „Noch viele Jahre lang habe ich nachts von Duisburg geträumt. Jüdisches Leben in Duisburg 1918 bis 1945“, Duisburg 2015.
Englische Übersetzung
The Burg brothers: Arthur, Erich and Walter
Sporting and professional careers before Nazi persecution
[Photo A1: The Burg family (front row, from right to left: Erich, Rosa and Isaak; back row: Walter and Arthur) in 1937, private collection of Isaac Arturo Burg]
The brothers Arthur, Erich and Walter Burg were born in Hamborn between 1910 and 1913. Their father, Isaak Burg, ran a shoe repair shop. The family lived on Holtener Straße, near the Neumühl colliery.
The brothers were avid sportsmen. They started out as members of the Jewish Gymnastics and Sports Club (Itus) Duisburg (1927-1937). Later, they joined the sports group of the Reich Association of Jewish Frontline Soldiers in Hamborn (1934-1938). They were especially good at shot put and discus throw. On May 30, 1935, Walter set a ‘new Jewish German discus record’ of 35.77 metres at a sports festival in Cologne.
In 1930, after graduating from the municipal Oberrealschule in Duisburg-Hamborn, Erich Burg began his studies at the University of Frankfurt am Main aiming to become a physical education teacher. Under pressure from the National Socialist student associations, however, he dropped out of his studies and began a commercial apprenticeship in October 1932 at the Berger & Co. department store in Duisburg-Hamborn. He later worked there as a commercial clerk. In the wake of the department store’s ‘Arisierung’ in 1936, he lost his job and was forced to earn a living for himself and his parents as a road construction worker.
His brother Walter also attended the Oberrealschule in Duisburg-Hamborn. After completing a commercial apprenticeship, he worked as a sales assistant at the Gebrüder Alsberg department store, but, like his brother, was dismissed in 1936 as part of the department store’s ‘Arisierung’ and was forced to rely on temporary work from then on.
Nothing further is known about Arthur Burg’s professional career. Following a prolonged illness, he died on May 11, 1938 at the age of just 27.
[Photo A2: Obituary of Arthur Burg, 1938, private collection of Isaac Arturo Burg]
Emigration to Argentina
Walter Burg had already decided to emigrate to Argentina by January 1937. He thus joined the ranks of a large number of Jews who left Duisburg following the Nuremberg Laws and the ‘Arisierung’ measures. Between 1933 and 1937, the city’s Jewish population declined by about half.
Walter’s father, Isaak Burg, also felt the consequences of persecution and boycott measures more and more keenly. In October 1937, he was forced to give up his business and pawn his workshop machinery to pay his rent. The creditor sold the machinery in 1938, without Isaak Burg receiving any of the proceeds.
On July 10, 1939, Isaak Burg, his wife Rosa and their son Erich also fled to Argentina. Before emigrating, the Burgs were forced to sell their household furnishings, worth 2,500 Reichsmarks, for a mere 300 Reichsmarks – far below their value. Upon boarding the ship in Hamburg, the local customs officials confiscated two gold watches and necklaces from the couple.
[Photo A3: Erich Burg’s passport, private collection of Isaac Arturo Burg]
Life in exile
In the early years of his exile in Argentina, Walter Burg was only able to earn the bare minimum to support himself: He worked as a textile worker and lived in Basavilbaso, some 300 kilometres north of Buenos Aires, during those early years.
Isaak and Rosa Burg lived together with their son Erich in a household in Buenos Aires. Isaak Burg was no longer able to pursue gainful employment, due to language difficulties and his advanced age. His son Erich therefore took on the role of breadwinner. From April 1941 to April 1942, he initially worked as a textile worker, like his brother, and later as an office clerk.
Erich Burg’s son – Isaac Arturo Burg – still lives in Buenos Aires today. In Duisburg, the Burg family’s former home town, no memorial site has yet been erected to dedicated sporting family.
Isaac Arturo Burg recalls the enthusiasm for sport shown by his brothers Arthur, Erich and Walter Burg:
“My father [Erich], like his brothers Walter and Arthur, was very sporty in Germany. Walter was particularly good at athletics, especially the shot put. Both Arthur and my father were passionate footballers and gymnasts, particularly on the parallel bars and the high bar. […] Because of the antisemitism that prevailed in Germany, they had to train at a club that was exclusively for Jews. Here in Argentina, too, he continued to play sports. Walter not so much, as he died very young, at the age of 47. When I was little, my father took both my sister and me to all the athletics events and always emphasised how important it is to do sports. He continued to do sports even as an adult. Before he went to work, he would get up half an hour earlier to do exercises.”
Sources
Reparations files of Isaak Burg, Erich Burg, Walter Burg
Bibliography:
Pfeiffer, Lorenz; Heinrich, Arthur (Hg.), Juden im Sport in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. Ein historisches Handbuch für Nordrhein-Westfalen, Göttingen 2019.
Von Roden, Günter, Geschichte der Duisburger Juden. In Zusammenarbeit mit Rita Vogedes, mit Einzelbeiträgen von Yehoshua Amir u. a. (Duisburger Forschungen Bd. 34, Teil 1 + Teil 2), Duisburg 1986.
Stadt Duisburg, Der Oberbürgermeister, Dezernat für Familie, Bildung und Kultur, Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie c/o Kultur- und Stadthistorisches Museum (Hg.), „Noch viele Jahre lang habe ich nachts von Duisburg geträumt. Jüdisches Leben in Duisburg 1918 bis 1945“, Duisburg 2015.






